Drei Chöre – Ein Klang
Der GV Liederkranz 1889 Rauenberg e.V. zeigte sich bei seinem Jubiläumskonzert in Hochform
Konrad Knopf und Sabine Stier boten mit ihren Chören ein tolles abwechslungsreiches Programm

 

Dieses Jahr darf der Gesangverein Liederkranz 1889 Rauenberg e.V. seinen 120. Geburtstag feiern. Zu diesem freudigen Ereignis lud das Geburtstagskind am Sonntagabend zu einem Jubiläumskonzert in die St. Peter und Paul Kirche in Rauenberg ein. Die Gäste kamen und wurden am Eingang von Mitgliedern der Vorstandschaft herzlich begrüßt und bekamen von den Jungsängerinnen und –sängern der "Singing Voices" als Willkommensgeste eine kleine "Rosenkerze" passend zum Rosensonntag überreicht.
Kurz vor 17 Uhr war der "Dom des Angelbachtales bis in die hintersten Bankreihen besetzt. Dirigent Konrad Knopf und seine Kollegin Sabine Stier hatten ein Konzertprogramm auf die Beine gestellt, das sich wunderbar ergänzte und glänzend aufeinander abgestimmt war. Weil man in einem Gotteshaus konzertierte, bestand die überwiegende Zahl der gesungenen Werke –ob auf Deutsch oder auf Englisch- aus Lobpreisungen Gottes, wobei aber auch gängige Rock- und Poptitel nicht vernachlässigt wurden.

Kurz nach 17 Uhr erschallten drei dumpfe Schläge vom Haupteingang der Kirche bis zu den vordersten Bankreihen. Alles lauschte gespannt. Und wieder ertönte ein dreimaliges Klopfen am Haupteingang. Dann stimmte der über 40-köpfige Projektchor unter der Leitung von Konrad Knopf die lyrische Weise "Somebodys knocking at your door" oder auf Deutsch "Jemand klopft an deiner Tür" an. Und mit diesem jemand, der an der Tür klopfte war niemand anders als Jesus Christus gemeint. Singend liefen die Mitglieder des Gemischten Chores und des Projektchores langsam in Richtung Altarraum, wo dann als erstes der Gemischte Chor Aufstellung nahm. Niemand im Kirchenschiff, der von diesem Evangeliumtext und Song nicht innerlich betroffen und berührt war.

Ein wunderbares Opening für ein zweistündiges Jubiläumskonzert der Extraklasse. Von den ebenfalls über 40-köpfigen Sängerinnen und Sänger des Liederkranzes durften die Konzertbesucher Lieder hören, die auf den Ort der konzertanten Darbietungen zugeschnitten waren. Dazu zählten unter anderem Anton Bruckners "Locus Iste", Ludwig van Beethovens "Die Himmel rühmen" ebenso, wie Franz Schuberts "Gott ist mein Hirt". Lauschte man den ersten Stücken noch andächtig und hielt sich mit dem Beifall zurück, gab es nach dem "Cantate Domino" –auf Deutsch: "Singet dem Herrn ein neues Lied" kein Halten mehr. Bei einigen Liedern wurde der Chor sehr einfühlsam und passend von Brigitte Becker am Klavier begleitet. Erster herzlicher Beifall erfüllte das Kirchenschiff und Pfarrer Harald M. Maiba nutzte die Gunst der Stunde, um dem Jubelverein zu seinem 120. Geburtstag zu gratulieren.

Wie schon beim Eingangslied der Projektchor, gaben sich auch die Sängerinnen und Sänger des Liederkranzes äußerst prädestiniert und in bester Singlaune. Ob Intonation, Dynamik, Rhythmik, Phrasierung oder Chorklang – der Chor erwies sich als sehr diszipliniert und hielt mit Konrad Knopf von der ersten bis zur letzten Sekunde Blickkontakt. Mucksmäuschenstill wurde es in der Kirche, als der Chor eines der schönsten lyrischen Lieder anstimmte, das die Welt kennt, nämlich Amanda McBrooms "The Rose" oder auf Deutsch "Die Rose". Während der Chor diese zu Herzen gehende Weise in der deutschen Fassung sang, übernahm der bekannte Sänger Thomas Berzel das Solo. Wohlige Gänsehaut machte sich während dieses Liedvortrages in der Kirche bereit.

 

Dann hatte der Kinder- und Jugendchor unter der Leitung von Sabine Stier seinen großen Auftritt. Was diese junge und engagierte Dirigentin mit ihren über 100 jungen Sängerinnen und Sängern auf die Beine stellt, dürfte im Kurpfälzischen Sängerkreis Heidelberg und weit darüber hinaus wohl einmalig sein. Sabine Stier wagt sich mit ihren Kindern und Jugendlichen an Literatur, von der andere Leiter von Kinder- und Jugendlichen wohlweislich die Finger weglassen. Ob das heitere und beschwingte Gospel "Hallelujah" von den "Singing Voices" oder "Herr, das Licht deiner Liebe" und später gemeinsam mit den "Singteufelchen" und "Mannaberg-Kids" "Michael Jacksons gelungenste Komposition "We are the World" – die Kinder und Jugendlichen gaben sich sehr selbstsicher und sangen sich ohne Umwege direkt in die Herzen ihres begeisterten Publikums. Solch herzlichen Beifall hat die St. Peter und Paul Kirche Rauenberg seit ihrem Bestehen wohl selten erlebt.

Ellen Rößler brachte mit dem Text "Glücksmomente" ein wenig Nachdenklichkeit in die Reihen. Hier wurde deutlich gemacht, wie viele Glücksmomente es Tag für Tag gibt, wenn man sie nur erkennt. Fazit: "Ich müsste eigentlich die meiste Zeit glücklich sein."

 

Mit dem lyrischen Song "From a distance" –auf Deutsch: "Aus der Ferne" - wurde Bette Midler einst weltberühmt. Und diese romantische Rockballade gab der Projektchor zum Besten. Aber die Sängerinnen und Sänger des Projektchores hatten noch viel mehr drauf.

Bei dem Lied "Fly with me", das vom Chor wunderbar interpretiert wurde, brillierte Thomas Berzel als Solist und Brigitte Becker begleitete den Chor äußerst gefühlvoll auf dem Klavier. Bei den Titeln wie "Put your hand in the hand" oder "Michael row that boat ashore" ging dann aber richtig die Post ab. Die junge Band, die normalerweise natürlich eine ganz andere Richtung Musik bevorzugt, stellte sich hervorragend auf den Chor ein und übernahm die Begleitung souverän. Da wurde im Takt begeistert mitgeklatscht und da und dort sogar leise mitgesungen.

 

Zu loben ist auch die meisterhafte Choreographie der Mitglieder des Projektchores. Absolute Krönung des Projektchores waren drei afrikanische Lieder, welche in der Original Landessprache zu Gehör gebracht wurden. Hier stimmte einfach alles – ob Gesang oder Choreographie. Bei diesem afrikanischen Programmteil konnte Konrad Knopf seine dirigentische Sonderbegabung wieder einmal gekonnt unter Beweis stellen. Beim anschließenden Finale sangen Thomas Berzel und Konrad Knopf den bekannten Song "Friends" ("Freunde"). Die zwei Künstler gaben bei diesem lyrischen Stück alles, was sie hatten. Und die beiden hatten sowohl musikalisch als auch stimmlich eine ganze Menge zu bieten. Die beiden Chöre übernahmen den Refrain und es war schon ein wunderbarer Chorklang mit nahezu 60 Sängerinnen und Sängern.


 

Der Beifall wollte nach diesem Stück kaum mehr enden. Den Konzertbesuchern bot sich ein imposantes Bild, als sich vor dem Altar rund gleich drei Chöre des Jubelvereins präsentierten: Knapp 100 Kinder und Jugendliche sowie knapp 60 Sängerinnen und Sänger der beiden anderen Chöre des Liederkranzes. Und das Motto wurde deutlich. Drei Chöre – Ein Klang. Einer der schönsten Schlusssongs war zweifellos das Gospel "His name will shine", in dem Jesus Christus verherrlicht wird. Das Solo übernahm Thomas Berzel mit seiner ausgebildeten Tenorstimme und entfachte damit nochmals einen Beifallssturm.

Zu erwähnen ist noch die einmalige Beleuchtung, die die Chöre immer wieder anders wirken ließ, natürlich immer passend zu den jeweiligen Liedern und Texte. Dies kam beim Publikum außerordentlich gut an und hinterließ bei allen einen bleibenden positiven Eindruck.

Am Schluss des unvergesslichen Konzertes dankte Liederkranz-Chef Wolfgang Schneckenberger all denjenigen, die zum dem guten Gelingen des Jubiläumskonzertes beigetragen haben. Dabei vergaß er auch den Hausherrn, Pfarrer Harald M. Maiba, nicht. Das Jubiläumskonzert hatte auch den Charakter eines Benefizkonzertes, denn von jeder Eintrittskarte spendete der Liederkranz einen Euro für den Bau einer Schule in Mazabuka, Sambia (Afrika)und unterstützt damit die Organisation "Starthilfe".

 

Liederkranz ehrte treue Sänger und Mitglieder –
nach dem Jubiläumskonzert fand im "Alten Kino" ein Ehrungsabend statt
 

Im Anschluss an das großartige Jubiläumskonzert in der Rauenberger Pfarrkirche St. Peter und Paul lud Liederkranzvorsitzender Wolfgang Schneckenberger die Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereins zu einem Ehrungsabend in das "Alte Kino" ein. Dieter Nagel, Vorsitzender des Sängerbezirkes Wiesloch, stand noch ganz unter dem Eindruck des Kirchenkonzertes. Zusammen 160 aktive Sängerjahre konnten Ruth Menges, Rudi Menges und Rudi Layer vorweisen, die Dieter Nagel im Auftrag des Badischen Sängerbundes und des Deutschen Chorverbandes ehren durfte.

Ruth Menges schenkt dem Liederkranz bereits seit 40 Jahren ihre Stimme, während Rudi Menges und Rudi Leyer auf die stolze Zahl von 60 Sängerjahren zurückschauen dürfen. Der Bezirksvorsitzende bescheinigte diesem Trio, dass dieses mit viel Idealismus, Lust und Liebe bei der Sache gewesen sei und auch künftig ist. Neben den Ehrenurkunden erhielt Ruth Menges die goldene Sängerkette und Rudi Menges sowie Rudi Leyer die goldene Sängernadel mit der eingravierten Zahl "60". Die vereinsinternen Ehrungen wurden von Wolfgang Schneckenberger und Stephanie Kloé vorgenommen.

Karin Laier, Hans-Joachim Scheckeler und Roman Rimmele singen seit zehn Jahren aktiv im Chor mit und wurden dafür mit Urkunden und Nadeln geehrt. Ebenfalls eine Nadel und Urkunde erhielten Maritta Laier, Beate Ranaldi, Doris Springer und Andrea Stier für ihre zehnjährige fördernde Mitgliedschaft.

Auf 25 Jahre fördernde Mitgliedschaft brachten es Herta Groß und Nicole Rühl.

Nicole Rühl kam vor 25 Jahren als kleine Sängerin in den Kinderchor, sang dann viele Jahre im Gemischten Chor und war beim 100-jährigen Vereinsjubiläum Ehrendame. Auch wenn sie nun nicht mehr zu aktiven Sängerinnen zählt, ist sie als Helferin bei Vereinsfesten immer zur Stelle.

Ruth Menges erfuhr für ihre 40-jährige aktive Sangestätigkeit nochmals eine besondere Ehrung: Der Liederkranz ernannte sie zu seinem Ehrenmitglied!

Sie kommt aus einer echten Liederkranzfamilie. Eltern, Geschwister und Sohn singen beim Liederkranz. Sie ist seit vielen Jahren Notenwartin und fungiert außerdem als Betreuerin beim Kinder- und Jugendchor. Hier beweist sie durch ihre Geduld und Nervenstärke, dass sie tatsächlich jung geblieben ist. Ruth, nochmals herzlichen Dank – mach einfach weiter so!
Marianne Gebhardt, Edelbert Gerner und Karl Menges wurden für ihre 40-jährige Treue zum Verein ebenfalls in den Stand der Ehrenmitglieder erhoben.

Seit 60 Jahren passiv dabei sind Edgar Link und Alfred Sautner, die für diese tolle Leistung natürlich eine besondere Ehrung erfahren durften.
Absolute Spitzenreiterin im Ehrungsreigen ist aber Elfriede Rech.
Schon seit 70 Jahre hält sie dem Liederkranz die Treue. Viele Jahrzehnte war hat sie mit ihrer hellen klaren Stimme den Sopran unterstützt. Außerdem durfte der Liederkranz Jahr für Jahr sein Kerwezelt in ihrem Hof aufstellen, was immer wieder mit Umständen für sie als Hauseigentümerin begleitet war. Danke für alles! Leider befindet sich die Sangesfreundin in einem Alten- und Pflegeheim. Vorsitzender Wolfgang Schneckenberger wird ihr diese herausragende Ehrung persönlich überbringen. Bei angenehmen Gesprächen, wobei natürlich auch das vorangegangene Jubiläumskonzert für viel Gesprächsstoff sorgte, ließ man den Ehrungsabend ausklingen.